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Archive for the ‘Kurzgeschichte’ Category

Howdy meine Freunde, heute mal wieder ein kleiner Text aus meinem Lieblingsseminar. Die Aufgabe war: Kopiert den Stil einesvorher ausgesuchten Textausschnitt. Reagiertauf ihn (schreibt eine Szene davor, dazwischen, danach- nur verändert den Originaltext nicht). Et voilà!

(Falls ich herausfinde, wie mein Originaltext heißt, kann ich auf ihn verweisen, so kriegt ihr dann nur meine Fortführung zu sehen, sorry!)

Klebebänder

Er starrt in meine Augen, als wollten sie ihn verbrennen.

Ich runzle die Stirn, als er versucht, den Kopf nach hinten zu ziehen.

„Ich bin ein böser Mann, genau wie du.“

Ich weiß, dass er sich in meinen Augen sehen kann.

Und er blinzelt nicht mehr.

„Und weil Du und ich ein- und dasselbe sind, weiß ich, was du brauchst.“ (mehr …)

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Hallo meine Herzen, dank meines Seminars für Literarisches Schreiben kann ich wenigstens einmal die Woche hier was veröffentlichen, ein schönes Gefühl 😀
Diese Woche war die Aufgabe, zuerst eine Rollenbiographie für eine Figur zu entwickeln, also folgende Fragen zu beantworten:

  1. Wie war der schönste Geburtstag?
  2. Was hat noch niemand zu ihr gesagt?
  3. Was war das Lieblingsspielzeug?
  4. Wohin will sie in Urlaub fahren?
  5. Was war das Schlimmste, was diese Person gemacht hat?
  6. Was mag diese Person am Liebsten an sich?

Anschließend sollten wir uns im Pool der so entstandenen Figuren mindestens zwei aussuchen und eine Szene um sie konstruieren. Das heißt also, die im unteren Text verwendeten Figur sind nicht von mir entwickelt, sondern nur interpretiert worden.

Bond Girl

Enriqua sah nicht einmal von ihrer Zeitschrift auf, als jemand auf dem Sitz neben ihr platznahm. Sie blätterte um, denn der wissenschaftliche Artikel über die neuronalen Vorgänge beim Lügen interessierte sie nicht wirklich. Nichts, was man anwenden konnte. Als es neben ihr raschelte, machte sie eine mentale Notiz, das nächste Mal ein Ticket für die erste Klasse zu buchen. Das hier war eher nach ihrem Geschmack, ein Aufsatz eines bekannten Forensikers über Ballistik.

„Was ist eine Beretta?“ fragt eine hohe Stimme. Enriqua wandte den Kopf endlich zur Seite und fand neben sich einen Jungen, der den Hals verrenkte, um die Bildunterschrift auf der umgeschlagenen Seite zu lesen.

„Ist das ein Hut? Meine Mama hat mir ein Barett aus dem Urlaub mitgebracht.“

Sie schnaubte nur.

„Es ist unhöflich, was du da machst.“

Augenblicklich saß das Kind still. Sie wusste nicht warum, aber ihre autoritäre Stimme wirkte auf Kinder immer recht eindrucksvoll. Der Junge war vielleicht elf oder zwölf, und sein breites Gesicht war markant. Einzeln betrachtet waren seine Gesichtszüge ganz hübsch, aber zusammengenommen sahen sie falsch kombiniert aus, wie ein spontan zusammengepuzzeltes Phantombild. Und seine Haare standen einfach in zu viele Richtungen ab. Er aß ein Gummibärchen, bevor er wieder sprach. (mehr …)

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Geschichten basieren auf Konflikt, je klarer und nachvollziehbarer der Konflikt dargestellt wird, desto besser die Identifikation des Lesers. Einer alten Binsenweisheit zufolge handelt Literatur im Kern nur von zwei Dingen, Eros und Thanatos, Liebe und Tod. Das ist grob vereinfachend, aber ein guter Ausgangspunkt für weitere Betrachtungen, indem man weiter auffächert. Zur Liebe gehören Gefühle wie Sehnsucht, Lust, Eifersucht, Leidenschaft; zum Tod gehören Zorn, Trauer, Rache, Verzweiflung (Sie sehen schon, die Kategorien sind austauschbar…) Diese Gefühle beherbergen das Konfliktpotenzial in sich, aus dem Geschichten enstehen.

-UFP

Kalter Krieg

Wenn alle Argumente eines alten Streits ausgesprochen wurden, hatte man nur zwei Optionen, mit dem Schweigen umzugehen. Man konnte einen Streit fortsetzen, der keine diplomatische Auseinandersetzung war, sondern eine Materialschlacht. Oder man konnte sich gegenüber an einen neutralen Tisch setzen und das Schweigen der Waffen aushandeln.

Louisa und ihr Ehemann Adam umklammerten je eine dampfende Tasse und schoben von Zeit zu Zeit ein paar übrig gebliebene Krümel über die Oberfläche des Küchentischs. Ihr Atem wurde verschluckt vom Summen des Kühlschranks und dem Tickens der Wanduhr. Küchen waren leise Schlachtfelder. Ein Wort hing noch in der Luft, wie der Geruch von Schießpulver nach der letzten Salve.

Er. (mehr …)

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Federzeichnung des Lysander. Undatiert.

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Toast mit Camembert

Manchmal beobachtete ich, wie er sich vor der Terrassentür auf die strapazierte Kokosmatte setzte, auf der einmal „Willkommen“ stand. Er starrte oft aus dem Fenster, mal sah er dem Verlauf der Schatten bei Sonnenlicht zu oder dem flüchtigen Glück vorbeihüpfender Blaumeisen, mal verfolgte er wie hypnotisiert das Fallen des Schnees. Meist war mindestens ein Körperteil gegen das schlecht isolierte Glas gepresst: ein Knie, ein zerkratzter Unterarm, die Stirn. Kälte wollte er fühlen, das Stechen des fast blanken Glases. (mehr …)

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Achtung! Dieser Text enthält obszöne Ausdrücke und Gewalt. Bitte lest ihn nur, wenn ihr euch das zutraut. Danke.

Rotkäppchen

Der Winterhimmel öffnete sich über der grauen Vorstadt, in der nur beschmierter Beton wuchs, und der Schnee wurde in den Schienen der Tram zu kalten grauen Schmutzpfützen zermatscht. In die Scheiben der Straßenbahn von innen gekratzt und auf die Rücken der Sitze gekritzelt standen Obszönitäten, die auch an die blondierte, überschminkte Jugendliche adressiert waren, die jetzt einstieg und die kleinen Tasten ihres Handys eindrückte. Zwischen die hochhackigen Schuhe stellte sie die überfüllten Alditaschen ab und verdrehte die Augen. Der nur halb geschlossene, rote Wintermantel gab freie Sicht auf viel zu dünne Kleidung.

Ein Vibrieren und Blinken in der Hand. Das Handy am Ohr. Die Zigarette im Mund und ein Gespräch.

„Cassandra?“

„Cassy, du Arsch. Weisste doch.“

„Cassy. Was machst denn grade? Wart auf dich.“

„Muss Sklave spielen, hab ich dir doch erzählt. Wird heut nix mehr. Die Olle beutet mich voll aus. Scheiße, geht die mir auf den Sack – irgendwann bring ich sie um. Geld hat se ja wie Heu, die Schlampe. Scheißarbeit.“

„Was lässt du dich auch erwischen beim Klauen, du Pissnelke.“

„Nenn mich nich Pissnelke, du Sack. Außerdem, war nich nur Klauen, war auch Prügeln.“

„Sach ich doch: Was lässt du dich erwischen. Sozialstunden, voll der Scheiß.“

„Ey, Scheiße, Wanja, halts Maul, wenn du keinen Bock hast mir zu helfen, scheiße, der Dreck kotzt mich auch an, also Fresse.“

„Is ja gut. Ich wart auf dich. Dann sehn wir weiter.“

Cassandra stand auf, hievte die Einkäufe hoch, fluchte noch einmal herzlich und stieg aus der Bahn, während sie die Leute belächelte, die dem Schaffner brav die Fahrkarten entgegenstreckten. Die Kippe drückte sie noch in der Straßenbahn aus, dann stöckelte sie zum Sozialdienst. Ein schmieriger, junger Mann mit Sonnenbrille, der Himmel war ghettograu bedeckt, zog nervös an einer Selbstgedrehten und machte eine Grimasse, die er mit ungeduldigem Stapfen auf ein und derselben Stelle unterstrich. Er riss Cassy an sich. Sie wurde ein bisschen rot, aber das bemerkte Wanja nicht unter der vielen Schminke.

„Na, Rotkäppchen? Freuste dich aufs Hinternabwischen?“

„Fresse, Wichser!“

„Ehrlich, ich kann dir helfen, lass mich mal machen. Du musst die Scheiße nicht mehr machen. Vertrau mir, der gute alte Wanja Wulff tut alles für seine Cassy.“

„Fräulein Keppler, Sie wissen, dass sie hier um zehn Uhr zu erscheinen haben. Ihre Zukunft hängt davon ab, das wissen Sie.“

Cassandra packte welken Paprika und Pflaumenmus und Sülze in Glasschüsseln und all die anderen Dinge aus den ausgeleierten Plastiktüten, auf die gelbliche Küchenablage und in die knarrende Schränke. Die Zweizimmerwohnung roch säuerlich, nach alten Leuten und den Mahlzeiten, die in dem gesamten Plattenbau tagtäglich zubereitet wurden. Die alte Frau war reich, auch wenn man das nicht an der Einrichtung in Eiche, Linoleum und DDR-Tapeten sehen konnte. Das verstimmte Klavier, das verstaubte, ein Relikt aus besseren Zeiten, aus einem größeren Haus, einem, das dazu bestimmt war, von Kindern und Enkeln besucht zu werden.

Nach jähzornigem Schweigen und wütendem Lärmen in Schubladen und Schränken die Antwort mit extra Lächeln in der Stimme.

„Ja, Frau von Rosenberg, ich weiß, ich habe nur noch eingekauft, damit sie was Frisches haben.“

Und geraucht. Und getrödelt. Und gemeckert. Und tausendmal Mordpläne geschmiedet.

„Sie sind jetzt seit ein paar Wochen für mich da, Fräulein Keppler, und Sie wissen, dass ich so etwas für eine Selbstverständlichkeit halte. Pünktlichkeit sollte auch Ihnen wichtig sein.“

„Ja.“

„Jetzt machen Sie bitte einen Kaffee. Und holen Sie die Zeitung von unten. Das hätten Sie auf dem Weg nach oben bereits erledigen können. Sie haben den Schlüssel für den Briefkasten.“

„Ja.“

Cassandra schob einen verstaubten Straßenschuh der alten Dame in den Haustürschlitz, denn einen Schlüssel zur Wohnung gab man ihr nicht. Nicht ihr. Sie ließ die Herrin in ihrem schwarzen Trauerkostümchen im Sessel am Esstisch sitzen und senkte die Augen zum bösen Blick, als sie die nach Urin stinkende Treppe hinabstapfte. Aufzug defekt. Fünfter Stock.

Schepperndes Postfach, verrostet mit „Keine Werbung“-Einheitsaufkleber, vollgestopft mit Prospekten, dann die zerrupfte Tageszeitung und Rechnungen. Das Klappern der Absätze war nun noch schneller und wütender, Ungeduld in jedem Atemzug und Schnauben zu hören. Der Geruch auf dem Weg nach oben in die Hölle veränderte sich von Etage zu Etage, und in Cassandras Nase vermischte sich Kohl mit fremdartigen Gewürzen und dem süßlichen Gestank von Gras.

Gräulich-gelbe Papierstapel wurden auf den Esszimmertisch geknallt, als das schrille, nervenzerfetzende Gekeife der Türklingel in der Wohnung schallte.

„Fragen Sie, wer es ist.“

Cassandra ging und fragte, wer es war. Sie erkannte die Stimme und grinste.

„Es ist der Hausmeister.“

„So? Hat er sich ausgesperrt? Machen Sie ihm auf.“

„Ja.“

Das Grienen wurde breiter und bösartiger. Die Stimme am anderen Ende der Gegensprechanlage hatte ihr Spaß versprochen. Und Hilfe.

Panisch klammerte Cassandra sich, in die Ecke der Küche zusammengekauert, an der vergilbten Arbeitsplatte der Schränke fest und kaute,die Augen so weit aufgerissen, dass man mehr weiß sah als bunt, an den Fingerkuppen, bis Blut kam.

„Komm nicht näher, Wanja! Du bist verrückt! Das hab ich so nicht gemeint, nich so! Nich so, nich so…“

Die Stimme flötete, und Cassandra sah noch den wahnsinnigen Ausdruck auf Wanjas Gesicht, als er der Dame den kalten Stahl an die Stirn gesetzt hatte. Na, Oma, ich hab gehört, du machst meinem Rotkäppchen das Leben schwer, hatte er gesagt. Jetzt sprach er wieder, und die Stimme klang voll Blut.

„Du wirst nicht die Bullen rufen. Ich hab getan, was du wolltest. Du wolltest se tot sehen, du bist eine Mörderin.“

„Nein, Wanja, du bist doch verrückt, das, nein, Wanja, nicht!“

„Was schreiste denn so, du störst die Nachbarn. Ich bring dir deinen Absatz wieder, ist dir abgebrochen. Gehört sich nich fürn Prinzesschen wie dich.“

Blut verklebte seine schmierige Fassade, und Cassandra begann zu schreien, wollte nicht mehr aufhören. Die linke Hand mit dem roten Absatz, baumelte locker, als sich die rechte erhob. Dunkles Stahl. Ein Blitzen. Lärm. Stille. Dann:

„Ich hab alles für dich getan, Cassy. Für dich.“

Die Polizei trat die baufällige Tür ein, und fand die alte Dame, auf dem Boden, der Raum voller Blut und verstreuter Geldscheine. Manche waren noch Markscheine. In der Küche eine junge Frau mit Loch im Schädel, mit Blut stand am Küchenschrank: Für dich. Am Küchentisch schließlich lehnte ein junger Mann, auf den jetzt alle Waffen gerichtet waren. Wanja küsste den roten Stöckelschuhabsatz und legte sich dann das Metall an die Schläfe.

„Damit ich dich besser fressen kann“, sagte er.

Dieser Text stammt von 2009 und ist eine Antwort auf eine Aufgabe im Kreativen Schreiben. Die Aufgabe findet ihr auch hier

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Meine Antwort zur Aufgabe, eine Kurzgeschichte in maximal 140 Zeichen zu verfassen.

I

„Es wird Zeit“ „Keine Minute mehr?“ „Nein, alles nach Zeitplan.“ „Aha. Wird es wehtun?“ „Ganz kurz.“ Sie gehen hinaus zum Erschießungsplatz.

II

Der Kopf schmerzte bis in die Haarspitzen. Ikeabettwäsche bedeckte gerade noch die Hüftknochen. Die fremde Zimmerdecke allerdings war schön.

III

Sie vergaß ihn nie. Als er im Schnee starb, erschlagen von Betrunkenen, er sah sie schief an, war sie bloß nicht da. Denn sie wollte tanzen.

zur Aufgabe

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