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Hallo meine Herzen, dank meines Seminars für Literarisches Schreiben kann ich wenigstens einmal die Woche hier was veröffentlichen, ein schönes Gefühl 😀
Diese Woche war die Aufgabe, zuerst eine Rollenbiographie für eine Figur zu entwickeln, also folgende Fragen zu beantworten:

  1. Wie war der schönste Geburtstag?
  2. Was hat noch niemand zu ihr gesagt?
  3. Was war das Lieblingsspielzeug?
  4. Wohin will sie in Urlaub fahren?
  5. Was war das Schlimmste, was diese Person gemacht hat?
  6. Was mag diese Person am Liebsten an sich?

Anschließend sollten wir uns im Pool der so entstandenen Figuren mindestens zwei aussuchen und eine Szene um sie konstruieren. Das heißt also, die im unteren Text verwendeten Figur sind nicht von mir entwickelt, sondern nur interpretiert worden.

Bond Girl

Enriqua sah nicht einmal von ihrer Zeitschrift auf, als jemand auf dem Sitz neben ihr platznahm. Sie blätterte um, denn der wissenschaftliche Artikel über die neuronalen Vorgänge beim Lügen interessierte sie nicht wirklich. Nichts, was man anwenden konnte. Als es neben ihr raschelte, machte sie eine mentale Notiz, das nächste Mal ein Ticket für die erste Klasse zu buchen. Das hier war eher nach ihrem Geschmack, ein Aufsatz eines bekannten Forensikers über Ballistik.

„Was ist eine Beretta?“ fragt eine hohe Stimme. Enriqua wandte den Kopf endlich zur Seite und fand neben sich einen Jungen, der den Hals verrenkte, um die Bildunterschrift auf der umgeschlagenen Seite zu lesen.

„Ist das ein Hut? Meine Mama hat mir ein Barett aus dem Urlaub mitgebracht.“

Sie schnaubte nur.

„Es ist unhöflich, was du da machst.“

Augenblicklich saß das Kind still. Sie wusste nicht warum, aber ihre autoritäre Stimme wirkte auf Kinder immer recht eindrucksvoll. Der Junge war vielleicht elf oder zwölf, und sein breites Gesicht war markant. Einzeln betrachtet waren seine Gesichtszüge ganz hübsch, aber zusammengenommen sahen sie falsch kombiniert aus, wie ein spontan zusammengepuzzeltes Phantombild. Und seine Haare standen einfach in zu viele Richtungen ab. Er aß ein Gummibärchen, bevor er wieder sprach. Weiterlesen »

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Geschichten basieren auf Konflikt, je klarer und nachvollziehbarer der Konflikt dargestellt wird, desto besser die Identifikation des Lesers. Einer alten Binsenweisheit zufolge handelt Literatur im Kern nur von zwei Dingen, Eros und Thanatos, Liebe und Tod. Das ist grob vereinfachend, aber ein guter Ausgangspunkt für weitere Betrachtungen, indem man weiter auffächert. Zur Liebe gehören Gefühle wie Sehnsucht, Lust, Eifersucht, Leidenschaft; zum Tod gehören Zorn, Trauer, Rache, Verzweiflung (Sie sehen schon, die Kategorien sind austauschbar…) Diese Gefühle beherbergen das Konfliktpotenzial in sich, aus dem Geschichten enstehen.

-UFP

Kalter Krieg

Wenn alle Argumente eines alten Streits ausgesprochen wurden, hatte man nur zwei Optionen, mit dem Schweigen umzugehen. Man konnte einen Streit fortsetzen, der keine diplomatische Auseinandersetzung war, sondern eine Materialschlacht. Oder man konnte sich gegenüber an einen neutralen Tisch setzen und das Schweigen der Waffen aushandeln.

Louisa und ihr Ehemann Adam umklammerten je eine dampfende Tasse und schoben von Zeit zu Zeit ein paar übrig gebliebene Krümel über die Oberfläche des Küchentischs. Ihr Atem wurde verschluckt vom Summen des Kühlschranks und dem Tickens der Wanduhr. Küchen waren leise Schlachtfelder. Ein Wort hing noch in der Luft, wie der Geruch von Schießpulver nach der letzten Salve.

Er. Weiterlesen »

Einen wunderschönen guten Tag, meine Lieben! Ich sags gleich, das hier ist ein einzigartiges Schreibexperiment, und angesichts der Tatsache, dass ich mich während des Schreibenswirklich vor mir selbst geekelt habe, werde ich so etwas nicht mehr schreiben… xD

Krallen zielen nach mir, der Luftzug der fallenden Pfote lässt mich taumeln und in für das Biest unberechenbare Wege schleudern. Ich erhebe mich, verschlungen genug um nicht getroffen zu werden, als das Tier unter Protestschreien der alten, streng riechenden Frau dem Porzellan an den Wänden entgegenschwebt. Ich beobachte das Spiel des Zerspringens des Tellers, folge jedem Splitter mit den Augen, und dort, unten, wo der Kohlgeruch aus dem Treppenhaus hereinsickert, verklemmt sich eine Scherbe in der Katzenklappe. Hier ist es zu gefährlich, und dort ist vielleicht endlich meine Freiheit. Ein buschiger Schwanz zuckt unter dem staubigen, ranzigen Sessel hervor, und wie gut er auch riecht, ich stürze mich lieber dem schmalen Spalt entgegen.

Wieder überwältigt mich die Vielzahl der Düfte, deren Quellen ich nicht sehe, aber erahne. Kein Lufthauch von draußen, aber mehr Tageslicht, das von den weißen Wänden auf mich geworfen wird. Dort! Dort kommt jemand auf mich zu, und von wo er kommt, ist die Freiehit, der Geruch nach Bäumen klebt an ihm, dem großen Mann, der mit dem Schlüssel das Schloss nicht trifft. Ich umkreise ihn, und mir wird schwindelig, so viele Versprechungen in seinem Duft, schales Bier und alter Schweiß, süß und salzig, und fettig, und ich muss diese Schulter schmecken. Ich merke kaum, wie ich mit ihm den anderen Raum betrete. Ein Ruck meines Bodes schleudert mich in die Luft, ich weiche den Sprühnebel aus, als er beginnt, die Frau anzuschreien. Eine Hand wischt nach mir, sodass ich mich über einem Korb voller schwarzer Bananen und schrumpelnder Äpfel finde. Wissen sie nicht, welches Paradies sie mir geben? Allein die Luft dampft vor Zucker und beginnender Fäulnis… Weiterlesen »

Hallo meine herzen, ich habe den letzten Beitrag überarbeitet und erweitert, sodass er stilistisch zum Prolog von Tigerfüße passt, jetzt mit extra viel homoerotischer Spannung und Homophobie, meiner Meeres-/Piraten-/Meerjungfrauen-Leitmotive und winzigen Anspielungen an meine Sherlockians. Enjoy! ❤

„Scheißvieh, verpiss dich!“

Um 06:18 Uhr morgens, während die erste Flutwelle über japanische Städte schlug, kauerte im Türrahmen zwischen dem Schlafzimmer und dem Flur einer für einer Person zu großen Wohnung im Herzen der Stadt eine rotgetigerte Katze. Ein 33-jähriger Mann lag seitlich auf dem Bett und griff wahllos nach einem geblümten Kissen, dass seine kürzlich erworbene Exfreundin Janine MacKensie ebenso wie das Tier dagelassen hatte. Ein Arm wurde gestreckt, und der Dekoartikel verfehlte die Katze um ein paar Zoll. Es war kein Hass im engeren Sinne, nur ein genereller Groll gegen die Besitzerin, die das Tier in einerseits zurückgelassen, und andererseits Piccadilly getauft hatte – eine Entscheidung, die Sebastian von Anfang an abgestoßen hatte.

Der Mann rollte sich auf den Bauch, wobei eine leere Bierdose zu Boden fiel, und zwischen den Laken wurde nach der Fernbedienung gesucht. Der Flachbildschirm an der gegenüberliegenden Wand, neben einem Kunstdruck von Breakfast At Tiffany’s, setzte sich erst nach mehrmaliger Gewalteinwirkung auf das Batteriefach der Fernbedienung in Gang, und die Kanäle wechselten hektisch. Sebastian brauchte in Stresssituationen Actionfilme oder Pornographie, die ihm allerdings auf allen Sendern verwehrt blieb. Stattdessen Programmunterbrechungen und nervöse Moderatoren in den Nachrichten. Ein wütendes Schnauben, und zwei weitere Kissen schlugen gegen die Wand, mit einem gedämpften Geräusch, dass Sebastians Grundstimmung entgegen stand.

„POFF!“, imitiert er es, mit den Händen die Bewegung einer Explosion formend.

Die Katze hatte weiterhin den Blick auf den Mann gerichtet und zuckte mit dem Schwanz. Sebastian stellte sich Piccadilly als mordlüsternen Doppelagenten seiner Exfreundin vor, und starrte zurück.

„Nicht, wenn ich dir zuvorkomme, du Biest!“

Ein verzerrtes Grinsen auf Sebastian Gesicht, dann zog er sein Handy aus der Hosentasche. Ein paar Fotos wurden zur Seite gewischt und dann der Bildschirm in Richtung der Tür gestreckt.

„Piccadilly! Hey! Miez miez! Das hier – das hier ist der Feind! Erinnerst du dich an die tote Elster, die du ihr geschenkt hast? Sie hat geschrien, sie fand deinen Liebesbeweis eklig! Und sie hat dich kastrieren lassen, weißt du noch? Ich fühle mit dir, mein Bruder, deine edelsten Teile! Du solltest dich von ihr so nicht behandeln lassen! Tu dich mit mir zusammen und ich mache mit dir die ganze verfickte Stadt zu unserer Schlampe! Und dann lasse ich dich umtaufen!“ Weiterlesen »

Gut, angenommen, es gebe nur zwei Geschlechter… aber das, Luise, wäre ein zu weites Feld. Die Aufgabe bestand darin, einen Text aus der, in meinem Falle, männlichen Sicht zu schreiben, mit einem Ich-Erzähler. Entschuldigt meinen tiefen Griff in die Klischee-Kiste…

Thematisch bewegen wir uns übrigens in der gleichen Welt wie Tigerfüße, aber die Reihenfolge, wie ihr das lest, ist egal. Sooooo, enjoy!

 

Piccadilly Circus

„Scheißvieh, verpiss dich!“

Wenn mich diese Schlampe schon verlassen muss, kann sie genausogut ihren dummen fetten roten Kater mitnehmen. Oder ihr Ikeazeug. Ich werfe mit einem ihrer ach so tollen Kissen, die mir nur den Platz im Bett stehlen, nach dem fauchenden Biest. Ich verfehle nur, weil ich nett bin. Mit dem Namen „Piccadilly“ und der Besitzerin ist der Kerl schon genug gestraft. Weiterlesen »

Ich, als fleißige prokrastinierende Studentin, habe mich vor Kurzem in einen Kurs für Literarisches Schreiben eingeschrieben. Die letzte Aufgabe war, den Anfang einer längeren Geschichte zu entwickeln, Thema frei. Hier ist, nach der Besprechung im Kurs, mein Machwerk. Der Herr Dozent meinte, es sei eher ein Romanende als -beginn, aber so what. Enjoy!

Tigerfüße.

Es war 1985, und der Monat September. Der Russe Alexei Paschitnow feierte mit seinem revolutionären Computerspiel Tetris erste Erfolge in der UdSSR, die Band The Smiths veröffentlichte ihre Single „The Boy With The Thorn In His Side“, die bis auf Platz 23 der britischen Charts klettern würde, und das Wrack der Titanic wurde am Grunde des Atlantischen Ozeans entdeckt, in einer Tiefe von 3803 Metern. Zeitgleich betrat ein siebenjähriger Junge mit aufgeschlagenen Knien und mit, für den geübten Blick einer Mutter, tränengeröteten Augen ein Badezimmer.

„Die anderen Kinder waren wieder gemein zu dir.“

Es war eine Feststellung, keine Frage mit erhobenen Augenbrauen, wie manche Mütter es bewerteten. Heftpflaster wurden auf Wunden geklebt und raue Frauenhände entwirrten das dunkelbraune Haar des Kindes.

„Hör mal… Ich werde dir nicht sagen, dass du sie ignorieren sollst, damit sie dich in Ruhe lassen. Denn es wäre eine Lüge und du würdest mir böse sein. Und weißt du auch, warum?“ Weiterlesen »

First Song

Nineteen years.

Am/C                    Em

Nineteen years today

Am/C                       E7

nineteen years too late

        F                   G

I’m sitting on my empty bed

        Dm                     E7

and try to say your name.

Am/C                     Em

Nineteen years today

Am/C                     E7

nineteen years too late

        F                    G

I’m sitting in your empty grave

        Dm                           E7

and try to scream your name

Mother!

Am/C   Em   Am/C   E7   F   G   Dm   E7

Am/C                     Em

Nineteen years today

Am/C                      E7

nineteen years too late

        G                           F

I’m climbing up those dusty stairs

        Dm                      E7

and try to cut these ropes

Now

F   G   C   F   F   G   C   Dm

       F                                G

I’m climbing up those dusty stairs

         C                          E7

and try to cut these ropes

Am

Too late

An den Akkorden bastele ich wahrscheinlich noch ein bisschen, aber damit man mal weiß, was ich so tue, anstatt zu lernen. ;D

Irgendwie klingt das ja wie eine schiefe Mischung aus Last Unicorn und Placebo… Hirn, was assoziierst du da??