Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘hoffnung’

Eine kleine Fotobearbeitung.

Man schnappe sich seine Kamera, fotografiere im Garten verrottende Ketten, lege einen Weichzeichnungsfilter und einen Sepia-Effekt auf das Bild, füge ein tiefgründiges Zitat mit einer schönen Schriftart ein und voilà.

Aber ernsthaft, so populär diese Technik ist, aus den „schlechten“ Fotos noch was rauszuholen, und wie beliebig es erscheint, da alle so etwas herstellen können, es macht Spaß. Und ich habe angefangen, über das Zitat wirklich ernsthaft nachzudenken.

Wir zerstören tatsächlich das, woran unser Herz hängt, nicht willentlich meist, eher durch die Zeit. Unsere Veränderung, das Wandeln unseres Geistes, Denkens, kreuzt sich mit dem, was wir einmal geliebt habe, anschließend trennen sich die Wege und lassen das Einstige zurück, überlassen es der verblassenden Erinnerung. Ist das nicht auch eine Form des Tötens? Was wir lieben, ist nicht das einzige, das uns beschäftigt. Das Nebeneinander der Liebe, das Zerren aus unterschiedlichen Richtungen durchschneidet schließlich wie gespannte Drähte, das was uns für einen Zeitpunkt trunken vor Sehnsucht macht.

Nicht alles muss so zugrunde gehen, manch eine Liebe soll im Verderben der anderen gewachsen sein, sich mit der Seele verändert haben.

Doch habe ich Angst, das, was ich jetzt so sehr verehre, brauche, was mein Herz in der Brust mich auf meine Zerbrechlichkeit hinweisen lässt, zu verlieren, wie ich auch anderes an die Erinnerung verloren habe.

Manchmal grabe ich, wühle mit den Fingern meines Verstandes in der Erde, wie in einem frischen Grab, an Poe denkend, an das Lebendig-Begraben-Sein. Ein paar mal wurcde ich schon fündig, das langsame, sich dann wieder aufrichtende Pochen des fast Vergessenen.

Dennoch bleibt mir der Trost, zu hoffen, auch die Angst lieben zu können. damit sie vergeht.

Advertisements

Read Full Post »

„Ein Lichtermeer
Blitze in fauliger Kehle
Und die Angst,
Mutter.

Ein Lichtermeer
Schemen auf sonnigen Wänden
und die Hoffnung,
Mutter.

Ein Lichtermeer
Sprenkel in sterbenden Augen
und eine Ruhe,
Mutter.“

Ja,
so spricht die Hand
die niemals berührt
von einer Mutter.

 

Antwort zur Aufgabe 1

Zur Aufgabe

Read Full Post »

Es war, als säße man im Bahnhof, auf seinen Koffern, und rötliches Morgenlicht fiele durch die gotischen Buntglasfenster. Als käme der Zug nicht, und um einen herum leerte sich der Bahnsteig, und man säße noch immer auf seinen Koffern, vielleicht braune mit Leder und Tweed, und der Mittag käme und der Zug nicht. Es war, als säße man im Bahnhof, in der Eingangshalle auf einer Bank, als stün­den die Koffer, es wären zwei, zwischen den Füßen, und man stützte sich auf sei­ne Jacke und bemalte die Hände mit Kugelschreiber, während der Zug immer noch nicht käme, nachmittags um vier, wenn es zu dämmern begänne. Ja, es war, als wäre gerade Februar, man säße im Bahnhof und niemals käme der Zug. Es käme immer nur Zugluft von denen, die vorübergingen und ihren Zug fänden. es war, als müsste man dort bleiben und aufgeben, als müsste man sterben. In Wirklichkeit war es ein junger Mann, der im Zug saß und diesen Gedanken nachhing. Dort an der Schläfe, wo seine Stirn in Haare überging, war der Kopf an die Scheibe gelehnt, und dort, wo der Kopf in die Scheibe überging, dort waren zwei weißblonde Haarschöpfe voll wilder Locken zu sehen, die zwei blasse, ge­quält nachdenkliche Gesichter unter ihrem Schleier zu verbergen suchten. Der junge Mann ließ den Blick über die ziehende Landschaft schweifen, ein weiß-grü­ner Farbenrausch, und ab und zu, der junge Mann fuhr nach Süden, ganz nah rosa­farbene und weiße Schatten, die anzeigten, dass das Land aufhörte zu sterben. Das Land begann zu leben, während er glaubte, zu sterben. Es war, dachte der junge Mann, als könnte man seine Hand ausstrecken, einfach so, aus dem Fenster, und mit seiner Hand, die man, bevor der Zug doch noch käme, mit Kugelschreiber bemalt hätte, die Blüten berühren, als würden die Blü­ten ein Kuss, der die Hand hinauf den ganzen Körper bedeckte, der einem sagte, es gäbe noch Liebe in der Welt, wäre auch gerade sein eigenes Herz zerrissen worden. Es war, als sagten die Blüten sanft, es gäbe den Frühling jedes Jahr, es gäbe immer einen neuen Atemzug, einen neuen Pulsschlag im Herzen, und müss­te es dabei erst einmal schmerzen, wäre es doch gebrochen. Der junge Mann lächelte, und dabei zogen sich die Augenbrauen über der Nasen­wurzel nach oben, die Hand ruhte dort auf der Brust, wo er die Schmerzen spürte. Er würde es als pochenden Schmerz beschreiben, achtzig mal in der Minute eine Knospe, die irgendjemand zertrat. Er erschrak vor dem Glitzern, dem flüssigen Licht aus den Mandelbäumen, die sich auf seinen Wangen spiegelten, und von da aus in der Glasscheibe. Er starrte in den Himmel, dabei ließ er sich von dem kal­ten Licht blenden, während seine Füße auf dem Zugboden scharrten. Ein Pendel. Geführt von der Hand des Herzens. Es war, als läse man griechische Göttersagen, und plötzlich fände man sich wieder als Phyllis, verwandelt in einen Mandelbaum, und triebe keine Blätter. Als hätte einen der Wind, der den Zug umwehte, weggetragen, in ein anderes Leben. Als wäre man umgeben von unendlicher Liebe und unendlichem Schmerz. Der junge Mann strich über die Jackentasche, und seine Hand zitterte, und betas­tete die Seiten des zerlesenen Taschenbuchs, in dem noch die Photographie als Le­sezeichen steckte, dort, wo Agdistis zu Kybele wurde. Es war, als nähme man die Erinnerungen, zerrisse sie, öffnete das Fenster, der Wind, der nur dadurch entstünde, dass man selbst reiste, dass man schneller wäre als das eigene Herz, der Wind erfasste die Haare und die Erinnerungen. Es war, als heilte der Fahrtwind das Herz. Der junge Mann, er hatte längst den Kopf von der Scheibe genommen, betrachtete sein ätherisches Spiegelbild, es war wie Tüll, wie Blüten, die jemand in die Luft geworfen hatte. Er strich sich die welligen Strähnen aus dem Gesicht, war über­rascht, wie leicht sich sein Kopf anfühlte. Der junge Mann dachte, es wäre, als stiege man aus dem Zug, aber als spränge man kurz vor der Haltestelle, wenn er gerade langsam genug führe. Die weißen Schatten, die hellgrünen und rosafarbenen impressionistischen Ge­mälde wurden, als der junge Mann nach draußen sah, wieder Büsche, wieder Bäu­me, und auch wieder wehende Mandelblüten. Es war, als hielte das Herz an, um kraftvoll zu schlagen. Der junge Mann atmete aus, hielt die Luft an, atmete so tief ein, dass ihm schwin­delte. Es war, als atmete er das erste Mal in seinem Leben. Und als er Atem geschöpft hatte, da war es, dass er in den Zug gestiegen war, dass er um seine zerbrochene Liebe getrauert, geweint hatte. Es war, dass er verstanden hatte, dass es vorbei war, und dass alles ein Anfang war. Der Junge Mann hatte die Photographie, die ihn und die Person, die sein Herz zerrissen hatte, in liebevoller Umarmung zeigte, ebenfalls in Fetzen gerissen, und er hatte tatsächlich das Zug­fenster geöffnet, die Hand ausgestreckt, und er hatte dem Wind die Fetzen als neue Blütenblätter geschenkt. Er hatte sehnsüchtig hinausgeblickt, als der Zug zu halten begann. Nur aus dem Fenster war er nicht gesprungen. Der junge Mann wartete, bis der Zug zum Stehen kam, an einer Station, an der re­gulär nicht gehalten wurde. Er stieg aus, ließ die Koffer, sie waren braun und mit Leder und mit Tweed, einfach stehen und überließ die Göttersagen dem nächsten, der ohne Ziel reiste, dem nächsten, der nicht verstand, dass es weitergehen konnte, wenn man nur selber ging.

Kreative Antwort auf Hilde Domins Gedicht „Wahl“

Read Full Post »

Schmelzender Schnee

Ich blicke hinab
in fremde Wüsten
aus Amethyst
der endlos den Knochen
ein Dorn ist

Meine Augen zerbrechen
im kalten Sand
und heben sich
vom schwerelosen Regen
meines Verstandes ab

Denn sie sind
weiße Bäume
aus Kristall die
die totgesagten Finger
in die Supernova graben

Aus Zucker geblasene
Trauerbachstelzen nicken
meinem Atem zu
als er vorüberschreitet
über den Weg der Zeit

Und ich lausche dem Schnee

Read Full Post »