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Posts Tagged ‘liebe’

Geschichten basieren auf Konflikt, je klarer und nachvollziehbarer der Konflikt dargestellt wird, desto besser die Identifikation des Lesers. Einer alten Binsenweisheit zufolge handelt Literatur im Kern nur von zwei Dingen, Eros und Thanatos, Liebe und Tod. Das ist grob vereinfachend, aber ein guter Ausgangspunkt für weitere Betrachtungen, indem man weiter auffächert. Zur Liebe gehören Gefühle wie Sehnsucht, Lust, Eifersucht, Leidenschaft; zum Tod gehören Zorn, Trauer, Rache, Verzweiflung (Sie sehen schon, die Kategorien sind austauschbar…) Diese Gefühle beherbergen das Konfliktpotenzial in sich, aus dem Geschichten enstehen.

-UFP

Kalter Krieg

Wenn alle Argumente eines alten Streits ausgesprochen wurden, hatte man nur zwei Optionen, mit dem Schweigen umzugehen. Man konnte einen Streit fortsetzen, der keine diplomatische Auseinandersetzung war, sondern eine Materialschlacht. Oder man konnte sich gegenüber an einen neutralen Tisch setzen und das Schweigen der Waffen aushandeln.

Louisa und ihr Ehemann Adam umklammerten je eine dampfende Tasse und schoben von Zeit zu Zeit ein paar übrig gebliebene Krümel über die Oberfläche des Küchentischs. Ihr Atem wurde verschluckt vom Summen des Kühlschranks und dem Tickens der Wanduhr. Küchen waren leise Schlachtfelder. Ein Wort hing noch in der Luft, wie der Geruch von Schießpulver nach der letzten Salve.

Er. (mehr …)

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Manchmal schreibt das leben die schönsten, die seltsamsten Geschichten, Geschichten, von denen man sagen muss, dass man sie sich einfach nicht ausdenken kann. So erging es mir, als ich das neu erworbene gebrauchte Buch (Sir Arthur Conan Doyle – His Last Bow) aufschlug, und mir nicht nur ein wahrscheinlich privat aufgenommenes Foto einer Dame vor einem Gemälde entgegenflog, mit dem folgenden Text auf der Rückseite

Charlotte-Baby, noch zwei Wochen, und ich bin endlich fertig mit dir!

sondern auch eine fast 20 Jahre alte Postkarte. Darauf nicht, wie man erwartet hätte banale Urlaubsgrüße, die irgendwann zu einem Lesezeichen wurden, sondern eine kleine persönliche Geschichte, die mich berührt hat. Ich möchte sie hier mit euch teilen. Unleserliche Wörter sind mit (?) markiert.

First, Mark, Markus is spelled with a „c“ and therefore written as „Marcus“, which is my name, the name, that was given to me, and therefore my name, Marc! But! Bloody Big Thanx for your brilliant letter + tap. It really cheered me up. It was good to hear you’re well up and very sad to hear that Christine is suffering a lack of (?) (tell her that she’s warmly invited to come to Nürnberg and use (?) a bit…). I tried to call you up in HH and Göttingen, but nobody answered, so I decided to write this card (that I got from a brilliant exhibition that is in the Germanisches Museum in Nürnberg (?) September – the collection of modern (and older) art of the industrial Ludwig (Cologne)). Well. I myself am suffering bad bad luck on the private sector. Nothing seems to work out the way i’d like to. So I’m still alone and a little sad although sometimes I have to laugh about this this kind of lesson life teaches me. Very good though is the fact that I got over the hurting that Werner had done to me. At least this is closed now. And I’m open again for new experience, relationships, whatever… (Actually I lost my heart to a lovely – entirely lovely – Brazilian, who is unfortunately living together with his 10 years older friend, whom he is financially dependant upon at the moment. And he feels for me, too. But circumstanes seem to suffocate this utterly strong love and affection that I feel / we feel right from the start. I told you life isn’t so good to me this year…). So the important things are said. And I’m not at all „pissed with you“ fornot writing in a certain time. (I’m not much of a writer either, and I love you.)

hope to see you, Marcus.

PS: Diplomarbeit is still suffering a crisis…

PPS: greetings to Ian.

PPPS: A big big kiss to the unique Miss (?)!

PPPPS:The best for your plans on new work and flat.

Der Poststempel ist vom 19.07.1993, ich war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal 2 Jahre alt. Marcus, Marc; sie sind jetzt alle wahrscheinlich über vierzig Jahre alt, und ich hoffe, dass Marcus nach dieser Postkarte mehr Glück hatte, in der Liebe, im Studium, in Freundschaften.

Ich weiß nicht einmal, warum ich das unbedingt mit der Welt teilen wollte, immerhin sind das private Dinge, und nicht für meine Augen bestimmt, aber ich wollte auf jeden Fall ausdrücken, dass man für die Menschen in seinem Umfeld, wie weit weg sie auch sind, da sein sollte, wenn sie Probleme haben, und auch umgekehrt auf seine Freunde vertraue muss.

Danke.

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Ich wickle dein Lächeln in Leinentücher

Verzerre die weißen Lettern bis zu einem

leichtgläubigen Ende der Zeit.

 

In novemberläuternden Augenblicken

trage ich die zwanzig lackierten Särge

fensterloser Atemzüge über die zitternde Erde

aller je verlorener Kindheiten.

 

Im Lichte verschobener Silben

lege ich mich, Liebster welcher nur in Gedanken,

unter dein kastanienfarbenes Leichentuch.

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Ich beuge mal fröhlich die Regeln und nähere mich meiner eigenen Aufgabe so:

Ich habe mich von dem Begriff Ganymed inspirieren lassen, stieß auf ein Gedicht von Goethe, ließ mich wiederum davon inspirieren…
Wie die Wege manchmal halt so sind. Und außerdem brauchte ich eine Ausrede, mal wieder eine Kreative Aufgabe zu erledigen.

Technik: Graphiktablett.

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Eine kleine Fotobearbeitung.

Man schnappe sich seine Kamera, fotografiere im Garten verrottende Ketten, lege einen Weichzeichnungsfilter und einen Sepia-Effekt auf das Bild, füge ein tiefgründiges Zitat mit einer schönen Schriftart ein und voilà.

Aber ernsthaft, so populär diese Technik ist, aus den „schlechten“ Fotos noch was rauszuholen, und wie beliebig es erscheint, da alle so etwas herstellen können, es macht Spaß. Und ich habe angefangen, über das Zitat wirklich ernsthaft nachzudenken.

Wir zerstören tatsächlich das, woran unser Herz hängt, nicht willentlich meist, eher durch die Zeit. Unsere Veränderung, das Wandeln unseres Geistes, Denkens, kreuzt sich mit dem, was wir einmal geliebt habe, anschließend trennen sich die Wege und lassen das Einstige zurück, überlassen es der verblassenden Erinnerung. Ist das nicht auch eine Form des Tötens? Was wir lieben, ist nicht das einzige, das uns beschäftigt. Das Nebeneinander der Liebe, das Zerren aus unterschiedlichen Richtungen durchschneidet schließlich wie gespannte Drähte, das was uns für einen Zeitpunkt trunken vor Sehnsucht macht.

Nicht alles muss so zugrunde gehen, manch eine Liebe soll im Verderben der anderen gewachsen sein, sich mit der Seele verändert haben.

Doch habe ich Angst, das, was ich jetzt so sehr verehre, brauche, was mein Herz in der Brust mich auf meine Zerbrechlichkeit hinweisen lässt, zu verlieren, wie ich auch anderes an die Erinnerung verloren habe.

Manchmal grabe ich, wühle mit den Fingern meines Verstandes in der Erde, wie in einem frischen Grab, an Poe denkend, an das Lebendig-Begraben-Sein. Ein paar mal wurcde ich schon fündig, das langsame, sich dann wieder aufrichtende Pochen des fast Vergessenen.

Dennoch bleibt mir der Trost, zu hoffen, auch die Angst lieben zu können. damit sie vergeht.

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Sprich zu mir:

 

Was musst du fühlen,

der einst goldenes Idol

und mit mühsam entbehrten

Blumen bekränzt

auf deinen Altären rottend

und größer als jedes

Menschen Irren

 

jetzt

da du ein Gelächter

des Verstandes

und dein Lächeln

so einfach zu ersetzen

 

jetzt

da deine Botschaft

schwarze Schlacke geworden

und dein Herzschlag

anderen flutender Schmerz

 

Du sprichst niemals mehr zu uns.

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„Ein Lichtermeer
Blitze in fauliger Kehle
Und die Angst,
Mutter.

Ein Lichtermeer
Schemen auf sonnigen Wänden
und die Hoffnung,
Mutter.

Ein Lichtermeer
Sprenkel in sterbenden Augen
und eine Ruhe,
Mutter.“

Ja,
so spricht die Hand
die niemals berührt
von einer Mutter.

 

Antwort zur Aufgabe 1

Zur Aufgabe

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Achtung! Dieser Text enthält obszöne Ausdrücke und Gewalt. Bitte lest ihn nur, wenn ihr euch das zutraut. Danke.

Rotkäppchen

Der Winterhimmel öffnete sich über der grauen Vorstadt, in der nur beschmierter Beton wuchs, und der Schnee wurde in den Schienen der Tram zu kalten grauen Schmutzpfützen zermatscht. In die Scheiben der Straßenbahn von innen gekratzt und auf die Rücken der Sitze gekritzelt standen Obszönitäten, die auch an die blondierte, überschminkte Jugendliche adressiert waren, die jetzt einstieg und die kleinen Tasten ihres Handys eindrückte. Zwischen die hochhackigen Schuhe stellte sie die überfüllten Alditaschen ab und verdrehte die Augen. Der nur halb geschlossene, rote Wintermantel gab freie Sicht auf viel zu dünne Kleidung.

Ein Vibrieren und Blinken in der Hand. Das Handy am Ohr. Die Zigarette im Mund und ein Gespräch.

„Cassandra?“

„Cassy, du Arsch. Weisste doch.“

„Cassy. Was machst denn grade? Wart auf dich.“

„Muss Sklave spielen, hab ich dir doch erzählt. Wird heut nix mehr. Die Olle beutet mich voll aus. Scheiße, geht die mir auf den Sack – irgendwann bring ich sie um. Geld hat se ja wie Heu, die Schlampe. Scheißarbeit.“

„Was lässt du dich auch erwischen beim Klauen, du Pissnelke.“

„Nenn mich nich Pissnelke, du Sack. Außerdem, war nich nur Klauen, war auch Prügeln.“

„Sach ich doch: Was lässt du dich erwischen. Sozialstunden, voll der Scheiß.“

„Ey, Scheiße, Wanja, halts Maul, wenn du keinen Bock hast mir zu helfen, scheiße, der Dreck kotzt mich auch an, also Fresse.“

„Is ja gut. Ich wart auf dich. Dann sehn wir weiter.“

Cassandra stand auf, hievte die Einkäufe hoch, fluchte noch einmal herzlich und stieg aus der Bahn, während sie die Leute belächelte, die dem Schaffner brav die Fahrkarten entgegenstreckten. Die Kippe drückte sie noch in der Straßenbahn aus, dann stöckelte sie zum Sozialdienst. Ein schmieriger, junger Mann mit Sonnenbrille, der Himmel war ghettograu bedeckt, zog nervös an einer Selbstgedrehten und machte eine Grimasse, die er mit ungeduldigem Stapfen auf ein und derselben Stelle unterstrich. Er riss Cassy an sich. Sie wurde ein bisschen rot, aber das bemerkte Wanja nicht unter der vielen Schminke.

„Na, Rotkäppchen? Freuste dich aufs Hinternabwischen?“

„Fresse, Wichser!“

„Ehrlich, ich kann dir helfen, lass mich mal machen. Du musst die Scheiße nicht mehr machen. Vertrau mir, der gute alte Wanja Wulff tut alles für seine Cassy.“

„Fräulein Keppler, Sie wissen, dass sie hier um zehn Uhr zu erscheinen haben. Ihre Zukunft hängt davon ab, das wissen Sie.“

Cassandra packte welken Paprika und Pflaumenmus und Sülze in Glasschüsseln und all die anderen Dinge aus den ausgeleierten Plastiktüten, auf die gelbliche Küchenablage und in die knarrende Schränke. Die Zweizimmerwohnung roch säuerlich, nach alten Leuten und den Mahlzeiten, die in dem gesamten Plattenbau tagtäglich zubereitet wurden. Die alte Frau war reich, auch wenn man das nicht an der Einrichtung in Eiche, Linoleum und DDR-Tapeten sehen konnte. Das verstimmte Klavier, das verstaubte, ein Relikt aus besseren Zeiten, aus einem größeren Haus, einem, das dazu bestimmt war, von Kindern und Enkeln besucht zu werden.

Nach jähzornigem Schweigen und wütendem Lärmen in Schubladen und Schränken die Antwort mit extra Lächeln in der Stimme.

„Ja, Frau von Rosenberg, ich weiß, ich habe nur noch eingekauft, damit sie was Frisches haben.“

Und geraucht. Und getrödelt. Und gemeckert. Und tausendmal Mordpläne geschmiedet.

„Sie sind jetzt seit ein paar Wochen für mich da, Fräulein Keppler, und Sie wissen, dass ich so etwas für eine Selbstverständlichkeit halte. Pünktlichkeit sollte auch Ihnen wichtig sein.“

„Ja.“

„Jetzt machen Sie bitte einen Kaffee. Und holen Sie die Zeitung von unten. Das hätten Sie auf dem Weg nach oben bereits erledigen können. Sie haben den Schlüssel für den Briefkasten.“

„Ja.“

Cassandra schob einen verstaubten Straßenschuh der alten Dame in den Haustürschlitz, denn einen Schlüssel zur Wohnung gab man ihr nicht. Nicht ihr. Sie ließ die Herrin in ihrem schwarzen Trauerkostümchen im Sessel am Esstisch sitzen und senkte die Augen zum bösen Blick, als sie die nach Urin stinkende Treppe hinabstapfte. Aufzug defekt. Fünfter Stock.

Schepperndes Postfach, verrostet mit „Keine Werbung“-Einheitsaufkleber, vollgestopft mit Prospekten, dann die zerrupfte Tageszeitung und Rechnungen. Das Klappern der Absätze war nun noch schneller und wütender, Ungeduld in jedem Atemzug und Schnauben zu hören. Der Geruch auf dem Weg nach oben in die Hölle veränderte sich von Etage zu Etage, und in Cassandras Nase vermischte sich Kohl mit fremdartigen Gewürzen und dem süßlichen Gestank von Gras.

Gräulich-gelbe Papierstapel wurden auf den Esszimmertisch geknallt, als das schrille, nervenzerfetzende Gekeife der Türklingel in der Wohnung schallte.

„Fragen Sie, wer es ist.“

Cassandra ging und fragte, wer es war. Sie erkannte die Stimme und grinste.

„Es ist der Hausmeister.“

„So? Hat er sich ausgesperrt? Machen Sie ihm auf.“

„Ja.“

Das Grienen wurde breiter und bösartiger. Die Stimme am anderen Ende der Gegensprechanlage hatte ihr Spaß versprochen. Und Hilfe.

Panisch klammerte Cassandra sich, in die Ecke der Küche zusammengekauert, an der vergilbten Arbeitsplatte der Schränke fest und kaute,die Augen so weit aufgerissen, dass man mehr weiß sah als bunt, an den Fingerkuppen, bis Blut kam.

„Komm nicht näher, Wanja! Du bist verrückt! Das hab ich so nicht gemeint, nich so! Nich so, nich so…“

Die Stimme flötete, und Cassandra sah noch den wahnsinnigen Ausdruck auf Wanjas Gesicht, als er der Dame den kalten Stahl an die Stirn gesetzt hatte. Na, Oma, ich hab gehört, du machst meinem Rotkäppchen das Leben schwer, hatte er gesagt. Jetzt sprach er wieder, und die Stimme klang voll Blut.

„Du wirst nicht die Bullen rufen. Ich hab getan, was du wolltest. Du wolltest se tot sehen, du bist eine Mörderin.“

„Nein, Wanja, du bist doch verrückt, das, nein, Wanja, nicht!“

„Was schreiste denn so, du störst die Nachbarn. Ich bring dir deinen Absatz wieder, ist dir abgebrochen. Gehört sich nich fürn Prinzesschen wie dich.“

Blut verklebte seine schmierige Fassade, und Cassandra begann zu schreien, wollte nicht mehr aufhören. Die linke Hand mit dem roten Absatz, baumelte locker, als sich die rechte erhob. Dunkles Stahl. Ein Blitzen. Lärm. Stille. Dann:

„Ich hab alles für dich getan, Cassy. Für dich.“

Die Polizei trat die baufällige Tür ein, und fand die alte Dame, auf dem Boden, der Raum voller Blut und verstreuter Geldscheine. Manche waren noch Markscheine. In der Küche eine junge Frau mit Loch im Schädel, mit Blut stand am Küchenschrank: Für dich. Am Küchentisch schließlich lehnte ein junger Mann, auf den jetzt alle Waffen gerichtet waren. Wanja küsste den roten Stöckelschuhabsatz und legte sich dann das Metall an die Schläfe.

„Damit ich dich besser fressen kann“, sagte er.

Dieser Text stammt von 2009 und ist eine Antwort auf eine Aufgabe im Kreativen Schreiben. Die Aufgabe findet ihr auch hier

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Illumination

Mit dir
ist der Himmel
der Dämmerung
ein anderer:

Gefärbtes Wasser
und zerfallende Schatten,
die übereinander rollen

und Gezeiten, die
die Krähen
als Treibgut
in die Gitter presst.

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Your eyes touch me

Your skin, curls, soul, body merge

Fictional lover!

(answer to the twitter cumberbitches haiku challenge)

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