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Posts Tagged ‘Selbstmord’

Dort

wo du als Kind
spieltest
in den Schallplatten
suchtest nach Ewigem

wo dir das oberste Stockwerk
verboten wurde
denn die Treppenstufen
brächen unter dir

wo die Messer
geschliffen werden
und Walnüsse Jahr für Jahr
getrocknet

Hat die Welt
Mutter bezwungen.

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Unter einer

steinernen Brücke

über zwei

Köpfen

auf der gebuckelten Oberfläche

 

Lichter

ohne Ursprung

totgesagt ausgesandt

die als schwerelose

tanzende Splitter

den Reigen

um den

der voller Schwarzer Sorge

dreht

 

Lachend

ihn in die

dunklen Arme

Ophelias Liebhabers

zu locken

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Wie könnte ich Dich schelten, wie könnte ich über Dich wüten, Du der in Deiner letzten Tat, zum Tode ganz reif, ein unzählig Maskierter, kein Vorbild, doch Sinnbild, das, ein Spiegel des Schmerzes, wie nur Du ihn zu kennen konstatiertest, über den Zweifel aller Stunden, sein kannst? Deine zur Gewalt, Deine zur Verzweiflung verzerrten Worte, Du Abbild ferner Generationen, zerrst am Schluss an mir. Du Zerrissener, ich denke an Dich, mit Schaudern, oh, wie könnte ich anders als schaudern? – wandele ich in Gedanken, da ich an meinem kalten Fenster stehe, am Ufer entlang, und stelle mir vor, nur in zerfetzten Bildern, die in Worte ich zu pressen versuche, denn wie könnten Worte meine Seele beschreiben, da auch du es kaum vermochtest, uns glauben zu machen, das Wort könnte nicht Pinsel für die Farben der Seele sein, wie die überfrorene Szenerie des Morgens sich über dein Antlitz legt wie ein dunkler Schleier.

Am Morgen Deines Todes, da das zerstörte Gras und die graue Erde von Raureif erhellt wurden, was sahst Du da außer den wandelnden Geistern derer, die sich mit kalten Worten Deinen Händen entzogen? Sahst Du am frühen Morgen, da kaum die Sonne an der Dämmerung hauchte, dass unsere Schatten andere, kühnere Formen haben als wir selbst, zerbrechlicher sind, und unzerstörbar? Und was hörtest Du, außer den Stimmen der verdunstenden Freunde, deren Berührung Du sehnstest im Geist und im Fleisch? Hörtest Du frohen Gesang, und stimmtest Du ins Vogelgezwitscher mit ein? Und was, oh Verlorener, gab es noch, da alles still am Ufer sich rührte?

Den letzten Frost, von der Dämmerung niedergestreckt, der das Glänzen auf den Spitzen deiner durchsichtigen Wimpern, erlöschen ließ.

So lege ich meine Fragen vor den Lettern nieder, statt Lilien und Chrysanthemen, und würde Dir eine Elegie schreiben, doch, ach, wozu, mein Herz, für einen, der zwischen den Mauern des Atmens und Wesens die zerbrechenden Zwischenräume suchte und aushöhlte.

So lebe wohl, Du Anachronist, Zerschmetterter seiner Zeit.

Heinrich von Kleist (Miniatur von Peter Friedel, 1801)

Quelle:

Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka

Studienbibliothek

 

21. November

zur Aufgabe

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