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Posts Tagged ‘Trauer’

„Ein Lichtermeer
Blitze in fauliger Kehle
Und die Angst,
Mutter.

Ein Lichtermeer
Schemen auf sonnigen Wänden
und die Hoffnung,
Mutter.

Ein Lichtermeer
Sprenkel in sterbenden Augen
und eine Ruhe,
Mutter.“

Ja,
so spricht die Hand
die niemals berührt
von einer Mutter.

 

Antwort zur Aufgabe 1

Zur Aufgabe

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Wie könnte ich Dich schelten, wie könnte ich über Dich wüten, Du der in Deiner letzten Tat, zum Tode ganz reif, ein unzählig Maskierter, kein Vorbild, doch Sinnbild, das, ein Spiegel des Schmerzes, wie nur Du ihn zu kennen konstatiertest, über den Zweifel aller Stunden, sein kannst? Deine zur Gewalt, Deine zur Verzweiflung verzerrten Worte, Du Abbild ferner Generationen, zerrst am Schluss an mir. Du Zerrissener, ich denke an Dich, mit Schaudern, oh, wie könnte ich anders als schaudern? – wandele ich in Gedanken, da ich an meinem kalten Fenster stehe, am Ufer entlang, und stelle mir vor, nur in zerfetzten Bildern, die in Worte ich zu pressen versuche, denn wie könnten Worte meine Seele beschreiben, da auch du es kaum vermochtest, uns glauben zu machen, das Wort könnte nicht Pinsel für die Farben der Seele sein, wie die überfrorene Szenerie des Morgens sich über dein Antlitz legt wie ein dunkler Schleier.

Am Morgen Deines Todes, da das zerstörte Gras und die graue Erde von Raureif erhellt wurden, was sahst Du da außer den wandelnden Geistern derer, die sich mit kalten Worten Deinen Händen entzogen? Sahst Du am frühen Morgen, da kaum die Sonne an der Dämmerung hauchte, dass unsere Schatten andere, kühnere Formen haben als wir selbst, zerbrechlicher sind, und unzerstörbar? Und was hörtest Du, außer den Stimmen der verdunstenden Freunde, deren Berührung Du sehnstest im Geist und im Fleisch? Hörtest Du frohen Gesang, und stimmtest Du ins Vogelgezwitscher mit ein? Und was, oh Verlorener, gab es noch, da alles still am Ufer sich rührte?

Den letzten Frost, von der Dämmerung niedergestreckt, der das Glänzen auf den Spitzen deiner durchsichtigen Wimpern, erlöschen ließ.

So lege ich meine Fragen vor den Lettern nieder, statt Lilien und Chrysanthemen, und würde Dir eine Elegie schreiben, doch, ach, wozu, mein Herz, für einen, der zwischen den Mauern des Atmens und Wesens die zerbrechenden Zwischenräume suchte und aushöhlte.

So lebe wohl, Du Anachronist, Zerschmetterter seiner Zeit.

Heinrich von Kleist (Miniatur von Peter Friedel, 1801)

Quelle:

Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka

Studienbibliothek

 

21. November

zur Aufgabe

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